Pressemitteilung

Kostenfaktor Barrierefreier Wohnraum

Wiesbaden, 31. Mai 2016. - Im Rahmen der Umsetzung des neuen Ingenieurgesetzes kommt dem Thema „Barrierefreies Planen und Bauen“ eine besondere Bedeutung zu. Es wird zu einer großen planerischen Herausforderung für Ingenieure, auch im Sinne des Verbraucherschutzes. Vielerorts werden in diesem Zusammenhang fälschlicherweise enorme Kosten bei der Umsetzung befürchtet.

Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass in Deutschland weit mehr als sieben Millionen Menschen mit schweren Behinderungen leben. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland sind das ca. neun Prozent, die außerdem mehrheitlich älter sind als 50 Jahre. Diese demografische Entwicklung wird sich zukünftig verstärken und damit muss mit einer Steigerung von Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen gerechnet werden. Für ein selbstbestimmtes Leben sind besondere Anforderungen an die gebaute Umwelt notwendig, die von Bund und Ländern gemeinsam gemeistert werden müssen.

Dieses Thema liegt auch dem Ehrenmitglied der Ingenieurkammer Hessen, Dipl.-Ing. Karl-Winfried Seif, besonders am Herzen.

Als Landesvorsitzender des VdK Hessen-Thüringen und Vizepräsident des VdK Deutschland überreichte er mit den Worten „Alle Menschen müssen in dieser Gesellschaft ein möglichst selbstständiges Leben führen können“, Ministerpräsident Volker Bouffier am 28. Mai 2016 am Rande der VdKLandestagung am Hessentag in Herborn ein Arbeitspapier zum Thema „Kostenfaktor Barrierefreies Planen und Bauen“.

Mitgewirkt haben bei der Analyse und Erstellung der Modellrechnung Geschäftsführer der Ingenieurkammer Hessen Dipl.-Ing. (FH) Peter Starfinger, Bezirksbeauftragter für Barrierefreiheit des VdK HessenThüringen, Harald Lottig, Dipl.-Ing. Architekt Andre Kramm sowie Annerose Hintzke vom Institut für Barrierefreie Gestaltung und Mobilität in Mainz.

Damit wurde der Nachweis angetreten, dass die Mehrkosten für den Neubau von barrierefreien Wohnungen überschaubar sind. In vielen Schriften wird mit Mehrkosten von bis zu 20 Prozent argumentiert. Die Modellrechnung zeigt, dass im mehrgeschossigen Wohnungsbau die Mehrkosten weniger als sechs Prozent betragen. Die Wohnungsbauwirtschaft will bei der Umsetzung der aktuellen  Förderprogramme in Höhe von 1 Mrd. Euro in Hessen die Standards soweit wie möglich zurückfahren. Damit meinen sie auch den Bau von barrierefreien Wohnungen.

„Im Hinblick auf die zukünftigen Anforderungen bei der Planung und Realisierung von barrierefreiem Wohn- und Lebensraum entwickeln wir derzeit das Curriculum für eine entsprechende Fachingenieurausbildung in Hessen. Wir schaffen damit neue Impulse für zukünftige Herausforderungen“, so Dipl.-Ing. (FH) Peter Starfinger, Geschäftsführer der Ingenieurkammer Hessen. Die von vielen Stellen angemahnten hohen Umsetzungskosten seien eine Fehleinschätzung, wie das Arbeitspapier zeige.